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Nutzungsentgelt und selbst getragene Kosten mindern die 1% Prozent Besteuerung

Nutzungsentgelt und selbst getragene Kosten mindern die 1% Prozent Besteuerung

Der Bundesfinanzhof, Urteil vom 30.11.2016 – VI R 49/14 und VI R 2/15 – veröffentlicht am 15.02.2017, lässt nun die Minderung der 1% Besteuerung der privaten PKW Nutzung zu, wenn der PKW Führer ein Nutzungsentgelt zahlt oder Kfz-Kosten selbst trägt.

Hintergrund
Wird einem Arbeitnehmer ein Kfz für betriebliche Zwecke gestellt, so kann der Unternehmer/Arbeitgeber jegliche Kosten, welche im Zusammenhang mit dem Kfz bestehen, als Betriebsausgaben geltend machen. Dies ist auch dann für den Arbeitgeber möglich, wenn der Arbeitnehmer das Kfz privat nutzt. Für den Arbeitnehmer hat dann im Rahmen der Lohnbesteuerung eine Besteuerung der Privatnutzung zu erfolgen (sog. geldwerter Vorteil). Das Gesetz lässt hierzu zwei Methoden zu. Grundsätzlich ist die Ein-Prozent-Regelung anzuwenden, dies heißt, dass pro Monat 1 % des Brutto-Listenpreises als geldwerter Vorteil zu besteuern wäre. Zudem könne der Arbeitnehmer auch durch ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch die Ein-Prozent-Regelung vermeiden. In der Praxis ist zu beobachten, dass Arbeitnehmer für die Privatnutzung Entgelte an den Arbeitgeber zahlen bzw. vom Lohn einbehalten werden oder bspw. Benzinkosten selbst tragen. Bisher konnten diese Entgelte nicht berücksichtigt werden.

Die Entscheidung
In den beiden Verfahren entschied der Bundesfinanzhof nun, dass die selbst getragenen Kosten oder das gezahlte Nutzungsentgelt den Vorteil aus der Privatnutzung mindern und daher absetzbar sind. Insoweit fehlt es an einer Bereicherung des Arbeitnehmers und damit an einer Grundvoraussetzung für das Vorliegen von Arbeitslohn. Negative Beträge können darauf jedoch nicht entstehen.

Praxishinweis
Arbeitnehmer können demnach die getragenen Kosten nun als Werbungskosten in ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Aufgrund des Werbungskostenpauschbetrages i. H. v. 1.000 EUR sollte geprüft werden, ob die Minderung der 1%-Besteuerung im Rahmen der laufenden Lohnabrechnung nicht günstiger ist. Arbeitgebern ist zu raten die Minderung der 1%-Besteuerung nur bei klaren Nachweisen zu gewähren, da die Haftung für diese Lohnsteuerbeträge beim Arbeitgeber verbleibt. Im Rahmen einer Lohnsteueraußenprüfung bieten diese Entscheidungen bei Streitigkeiten über das Fahrtenbuch eine Möglichkeit die Belastungen zu mindern.

Dirk Rose
Dipl.-Betriebswirt (BA)
Wirtschaftsprüfer | Steuerberater
Rechtsanwalt | Fachanwalt für Steuerrecht